Was man von hier aus hören kann

Eine Installation unter freiem Himmel

Foto: EinZ-Design

Wird eine Lesung stattfinden? Oder viele? Etwa an diesen kleinen, transparenten Orten, die an geschlossene Räume erinnern, aber doch wie vom Himmel gefallene Lesetrabanten im Freien und unter den alten Bäumen des Schlossparks Senden stehen? Nähert sich der Besucher den Lesestationen, berichten die Stimmen, berichten – von Tieren. Doch wer ihnen zuhört, wird Gast der eigenen Existenz.

Indem die Besucher von einer Station zur nächsten flanieren, taucht mitten in der Natur, mitten im Schlosspark Senden wie aus dem Nichts oder aus dem Reich möglicher Toter eine Selbst- und Weltbefragung von großer Intensität auf. Was ist verloren, verdrängt, neu gewonnen? Ist nicht das Schöne auch schrecklich? Und umgekehrt? Was wissen die Tiere von alledem? Und auch vom Tod? Mehr als wir, wenn wir uns in ihrem Blick suchen.

Textauswahl, Einrichtung und Aufnahmen: Judith Kuckart
Installation: Lili Anschütz & Judith Kuckart

Mit den Stimmen von Hanna Schygulla, Dietmar Bär, Bibiana Beglau und anderen

Sonntag, 7. Juni 2020 | 11 bis 19 Uhr | Schlosspark Senden
Führung mit Judith Kuckart um 15 Uhr
(Anmeldung für die Führung bitte mit Angabe Ihrer vollständigen Adresse unter: pieper@schloss-senden.de)


Hören Sie in die Ausstellung hinein:

Foto: EinZ-Design

Hanna Schygulla spricht:

Rainer Maria Rilke | Die achte Elegie

Mit allen Augen sieht die Kreatur
das Offene. Nur unsre Augen sind
wie umgekehrt und ganz um sie gestellt
als Fallen, rings um ihren freien Ausgang.
Was draußen ist, wir wissens aus des Tiers
Antlitz allein; denn schon das frühe Kind
wenden wir um und zwingens, dass es rückwärts
Gestaltung sehe, nicht das Offne, das
im Tiergesicht so tief ist. Frei von Tod.
Ihn sehen wir allein; das freie Tier
hat seinen Untergang stets hinter sich
und vor sich Gott, und wenn es geht, so gehts
in Ewigkeit, so wie die Brunnen gehen.

 

 

 

 

Foto: Lili Anschütz

Claudia Spoerri singt:

Annette von Droste-Hülshoff | Die tote Lerche

Ich stand an deines Landes Grenzen,
an deinem grünen Saatenwald,
und auf des ersten Strahles Glänzen
ist dein Gesang herabgewallt.
Der Sonne schwirrtest du entgegen,
wie eine Mücke nach dem Licht,
dein Lied war wie ein Blütenregen,
dein Flügelschlag wie ein Gedicht.

 

 

 

 

 

 

 


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